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Ältere Bundesbürger in Privathaushalten
und in stationären Einrichtungen - Lebenssituation und Heimeintrittsgründe
PD Dr. Sven Schneider
(Die Orginalfassung dieses im Jahr 1998 veröffentlichten
Beitrages können Sie inkl. zitierfähiger Quellenangabe und Literaturverzeichnis
unter dem Menüpunkt "Textanforderung"
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geistiges Eigentum des Autors, Wiedergabe nur gegen Zitat der Originalquelle.)
Vorbemerkungen
Der vorliegende Beitrag beruht auf dem Forschungsprojekt
"Der Heimeintritt alter Menschen und Chancen seiner Vermeidung" (Antragstellung:
Thomas Klein), das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
gefördert wird. Der im Rahmen dieses Projektes erhobene Altenheimsurvey
wurde bereits andernorts vorgestellt (Klein und Gabler 1996). Das
Auswahlverfahren ist detailliert zusammen mit Analysen zur Repräsentativität
andernorts bereits ausführlich dargestellt (KLEIN / GABLER 1996).
Für die freundliche Anfertigung der genannten Sonderauswertung
bin ich Ulrich Schneekloth zu Dank verpflichtet (Infratest-Burke,
München )!
1. Einleitung
Eine große, wenn nicht die größte politische
Herausforderung der nächsten Jahre wird von einer Entwicklung ausgehen,
die schlagwortartig als "demographische Alterung unserer Gesellschaft"
bezeichnet wird. Nach Berechnungen staatlicher Stellen wird sich der bundesdeutsche
Alterslastquotient bis zum Jahre 2030 auf 71% gegenüber heute nahezu
verdoppeln (BMFuS 1993: 5). Dieser Alterungsprozeß ist charakteristisch
für fast alle hochentwickelten Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften.
In der Bundesrepublik Deutschland ist er jedoch besonders ausgeprägt
und wiegt umso schwerer, als die Bundesrepublik Deutschland im Vergleich
zu anderen führenden Industrienationen mit Abstand den geringsten
Anteil der nachwachsenden unter 15jährigen Personen an der Gesamtbevölkerung
aufweist. Diese Entwicklung resultiert aus erheblich gesunkenen Geburtenzahlen,
aus dem Rückgang der Sterblichkeit in jungen Jahren und vor allem
aus der Zunahme der Lebenserwartung und wird mannigfaltige und tiefgreifende
Auswirkungen auf das gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Leben
in der Bundesrepublik Deutschland haben.
Der Versuch, die bundesdeutsche Gesamtbevölkerung über
60 Jahre bezüglich der Dimensionen Lebens-, Netzwerk- und Wohnsituation
zu untersuchen, scheiterte bislang am Fehlen eines geeignetem repräsentativen
Datensatzes. Die Stichproben allgemeiner Bevölkerungsumfragen, wie
etwa die der ALLBUS-Erhebung, des Familiensurvey sowie des Sozio-Ökonomischen
Panel, beinhalten nämlich die Anstaltsbevölkerung und damit
auch die Heimbevölkerung nicht. Dies hat die Konsequenz, daß
aus solchen Erhebungen repräsentative Aussagen nur für die Bevölkerung
in Privathaushalten abgeleitet werden können. Diese Beschränkung
der Grundgesamtheit basiert meist auf dem verwendeten ADM-Stichprobendesign.
Ist die Untererfassung der Heimbevölkerung in allgemeinen Bevölkerungsumfragen
bei jüngeren Kohorten resp. Altersgruppen wegen einer Institutionalisierungsquote
im Promillebereich m.E. noch hinnehmbar, so muß das gleiche Vorgehen
bei den höheren Altersgruppen als schwerwiegendes Manko hinsichtlich
der Verallgemeinerbarkeit solcher Studien auf die Gesamtbevölkerung
bewertet werden. Diese Tatsache wiegt umso schwerer, weil sich vermuten
läßt, daß sich gerade die Heimbevölkerung hinsichtlich
ihrer soziostrukturellen Merkmale als auch anderer wichtiger Variablen
von der entsprechenden Personengruppe in Privathaushalten erheblich unterscheidet.
Der vorliegende Beitrag befaßt sich deshalb genau mit dieser Problemstellung:
Unterscheiden sich die in Einrichtungen der stationären Altenhilfe
untergebrachten älteren Bundesbürger von der Bevölkerungsgruppe
der Nichtinstitutionalisierten einmal hinsichtlich basaler soziostruktureller
Merkmale und zum anderen hinsichtlich anderer wichtiger Lebensbereiche
wie etwa der Wohnsituation oder des familialen Netzwerkes? Wie läßt
sich die Lebenssituation der Institutionalisierten vor deren Heimeintritt
beschreiben? Wie sehen die Institutionalisierungsquoten bestimmter Sozialgruppen
aus? Welche Ursachen und Lebensumstände bewegen einen alten Menschen
zu dem Entschluß, in ein Heim zu ziehen und welche Beweggründe
geben alte Menschen dabei an?
>>>weiter
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