|
Lebensstilorientiertes Jugend-Marketing
als Antwort auf gesellschaftlichen Wandel
PD Dr. Sven Schneider
(Die Orginalfassung dieses unveröffentlichten
Beitrages können Sie inkl. zitierfähiger Quellenangabe und Literaturverzeichnis
unter dem Menüpunkt "Textanforderung"
bestellen. Die folgenden Inhalte sind
geistiges Eigentum des Autors, Wiedergabe nur gegen Zitat der Originalquelle.)
Abstract:
'Die Jugend" als weitgehend homogene Bevölkerungsgruppe
gibt es nicht mehr. Neue gesellschaftliche Phänomene wie Pluralisierung
und Individualisierung bewirken besonders unter Jugendlichen - als die
Katalysatoren und Initiatoren gesellschaftlichen Wandels - die Herausbildung
unterschiedlicher Lebensstile. Aus jüngerer, bundesdeutscher Sozialforschung
sind diese jugendtypischen Lebensstile durchaus bekannt, jedoch in der
Marketingpraxis bislang kaum instrumentalisiert. Der vorliegende Beitrag
stellt die aktuellen Lebensstile Jugendlicher idealtypisch dar und zeigt
anschließend Ansatzpunkte für ein effizienteres Jugendmarketing
auf.
1 Wirtschaftlicher und soziologischer
Wandel
Das Marketing wird sich an der Schwelle zum nächsten
Jahrtausend weitreichenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen
stellen müssen. Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive wird sich
die Anbieterseite weiter (teilweise rasant) verändern: Exemplarisch
seien die Stichworte EWWU, Margendruck und Globalisierung genannt. Volkswirtschaftlich
gesehen werden auch auf der Nachfrageseite bekannte Trends anhalten: Die
Ungleichverteilung des Privatvermögens wird sich weiter verschärfen,
die Krümmung der sog. "Lorenzkurve" wird weiter zunehmen. Und soziologische
Analysen diagnostizieren seit Ende der achtziger Jahre für die Gruppe
der Endverbraucher das Aufschmelzen vormals distinkter ökonomischer
Klassen ("Ober-", "Mittel-" und "Unterschicht"). Statt dessen sei ein
eindeutiger gesellschaftlicher Trend der Pluralisierung und Individualisierung
auszumachen (Villwock, 1998). Innerhalb der eigenen ökonomischen
Möglichkeiten und eingebettet in soziale Sicherungssysteme entscheidet
man sich für eine individuell gewählte Biographie und einen
bewußt gelebten eigenen Lebensstil (Beck, 1996). Der Begriff der
Erlebnisgesellschaft hat sich in diesem Zusammenhang etabliert (Schulze,
1993).
2 Die Antwort des Marketing
Als Antwort des Marketing auf diese spezifische (Käufer-)Marktsituation
sind derzeit (z.B. im Konsumgüter-, Versicherungs- oder Bankmarketing)
Segmentierungskonzepte etwa in Jugend-, Privatkunden- und Seniorenmarkt
zu finden. Innerhalb des Privatkundensegments, also der Kunden, die nicht
dem Jugend- oder Seniorenmarkt zuzurechnen sind, werden die Kunden dann
weiter entlang ökonomische Merkmale differenziert (A-, B-, C-Kunden,
"Top-Kunden" etc.). Ziel ist es, die Effizienz von Marketingmaßnahmen
und der einsetzbaren Budgets zu erhöhen resp. zu optimieren (Büschgen,
1995).
3 Sondersituation: Jugendliche
Diese neuen gesellschaftlichen Phänomene der Differenzierung
in einzelne Lebensstile kann insbesondere unter Jugendlichen - als die
Katalysatoren und Initiatoren gesellschaftlichen Wandels - beobachtet
werden. Anders als bei anderen (älteren) Bevölkerungsgruppen
vollzieht sich diese Differenzierung nicht entlang ökonomischer Faktoren.
Dies liegt natürlich auch in dem viel geringeren Pro-Kopf-Einkommen
und Pro-Kopf-Vermögen der Jugendlichen begründet. So ist denn
auch in der Werbewirtschaft eine weitergehende Segmentierung des Jugendmarktes
in "Jugendkunden-Gruppen" entlang etwa der sonst üblichen Kriterien
"Einkommen" oder "Vermögen" wenig erfolgversprechend und deshalb
auch nicht Praxis.
Oft bleibt die Gruppe der Jugendlichen deshalb in der Marketingpraxis
eine "einheitlich uneinheitliche Masse", die man zwar bewerben möchte,
aber angesichts der Heterogenität vermeintlich nur schwer adäquat
erreichen kann. Aus jüngerer, soziologischer Forschung sind jedoch
einzelne jugendtypische Lebensstile durchaus bekannt, jedoch in der Marketingpraxis
bislang kaum bis gar nicht instrumentalisiert. Der vorliegende Beitrag
stellt die aktuellen Lebensstile Jugendlicher plakativ dar und zeigt anschließend
Ansatzpunkte für ein effizienteres Jugendmarketing auf.
>>>weiter
|
|