Home
  Autorenprofil
  Impressum
www.sozionet.de
  Textanforderung
  Kontakt
Warum leben Frauen länger?Warum sind Männer seltener krank?  
  Lebenserwartung
  Altenheime
  Gesundheit
  Gewalt
  Jugendliche
  Seniorenstudie
  Senioren
  Stellenwechsel
  Talkshows
  eCommerce
  Schulstudie
  Statistikberatung

Warum ziehen ältere Menschen in ein Heim?
Ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand

PD Dr. Sven Schneider

(Die Orginalfassung dieses im Jahr 1998 veröffentlichten Beitrages können Sie inkl. zitierfähiger Quellenangabe und Literaturverzeichnis unter dem Menüpunkt "Textanforderung" bestellen. Die folgenden Inhalte sind geistiges Eigentum des Autors, Wiedergabe nur gegen Zitat der Originalquelle.)

1          Einleitung:

Die demographische Alterung der bundesdeutschen Gesellschaft wird in den nächsten Jahren weiter voranschreiten. In der Sozialpolitik ist diese Entwicklung bereits eines der beherrschenden Themen. So sollen politische Maßnahmen in den verschiedensten Bereichen die Rahmenbedingungen schaffen, um die prognostizierte Entwicklung bewältigen zu können. Die Neuregelung der Vormundschaft und der Gebrechlichkeitspflegschaft durch das Betreuungsgesetz (BtG), die Implementierung der Sozialen Pflegeversicherung, die Neufassung des Heimgesetzes (HeimG) und staatliche Modellprogramme wie etwa die Seniorenbüros seien exemplarisch genannt. In der Folge ist in den letzten Jahren seitens politischer und anderer Institutionen die Nachfrage nach geeigneter wissenschaftlicher Forschung zu diesem Problemfeld gestiegen. Hierbei handelt es sich zu einem großen Teil um genuin soziologische Fragestellungen. Und: Die Soziologie hat die Theorie- und die Methodenkompetenz, diese Fragestellungen anzugehen. Vor diesem Hintergrund kann die zunehmende Bedeutung dieses Arbeitsfeldes für Sozialwissenschaftler nur betont werden.

Ein wichtiger Bereich innerhalb dieses Problemfeldes ist der Umzug älterer Menschen in ein Alten- und Pflegeheim. Trotz der zunehmenden Bedeutung dieses Themas ist - anders als in den USA –für die BRD bis dato ein gravierendes Forschungsvakuum zu bemängeln. So fehlt ein umfassendes theoretisches Modell zum Prozeß des Heimeintrittes - bis auf einige ökonomische Modelladaptionen (z. B. der moral-hazard-Ansatz) - bislang völlig (Schulz-Nieswand 1990). Auch empirische Forschungsarbeiten zu den Gründen oder Determinanten des Heimeintritts finden sich in der BRD bislang vor allem wegen des Mangels an repräsentativem Datenmaterial nur vereinzelt. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die vorliegende empirische Forschung zum Thema des Heimeintrittes älterer Menschen. Unter soziologischer Perspektive läßt sich diese Aussagegesamtheit in zwei Subgruppen unterteilen: einmal in Personen, die in Privathaushalten leben, und zum anderen in die sog. Heimbevölkerung, in die Personen also, die in Institutionen (bspw. in Altenheimen, Altenpflegeheimen und mehrgliedrigen Einrichtungen) untergebracht sind.

Nun ist die Zugehörigkeit zu einer der beiden Gruppen kein unveränderliches Merkmal wie etwa das Geschlecht. Vielmehr kann die Zugehörigkeit zu einer der beiden Gruppen "Heimbewohner / Nichtheimbewohner" als ein reversibler Prozeß betrachtet werden. Dieser Prozeß kann von der betreffenden Person im Lebensverlauf mehrfach abwechselnd in die eine und andere Richtung durchlaufen werden: Personen siedeln von Privatwohnungen in Heime um oder ziehen vom Heim aus in Privathaushalte (zurück). Dieser Beitrag befaßt sich mit der erstgenannten Prozeßrichtung:

Welche Ursachen und Lebensumstände bewegen einen alten Menschen zu dem Entschluß, in ein Heim zu ziehen und welche subjektiven Beweggründe geben alte Menschen dabei an? Lassen sich Prädiktoren ausmachen, anhand derer sich die Bevölkerungsgruppen in Privathaushalten und in Heimen unterscheiden lassen?

>>>Weiter