Warum ziehen ältere Menschen in ein Heim?
Ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand
PD Dr. Sven Schneider
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1 Einleitung:
Die demographische Alterung der bundesdeutschen Gesellschaft wird in
den nächsten Jahren weiter voranschreiten. In der Sozialpolitik
ist diese Entwicklung bereits eines der beherrschenden Themen. So sollen
politische Maßnahmen in den verschiedensten Bereichen die Rahmenbedingungen
schaffen, um die prognostizierte Entwicklung bewältigen zu können.
Die Neuregelung der Vormundschaft und der Gebrechlichkeitspflegschaft
durch das Betreuungsgesetz (BtG), die Implementierung der Sozialen Pflegeversicherung,
die Neufassung des Heimgesetzes (HeimG) und staatliche Modellprogramme
wie etwa die Seniorenbüros seien exemplarisch genannt. In der Folge
ist in den letzten Jahren seitens politischer und anderer Institutionen
die Nachfrage nach geeigneter wissenschaftlicher Forschung zu diesem
Problemfeld gestiegen. Hierbei handelt es sich zu einem großen
Teil um genuin soziologische Fragestellungen. Und: Die Soziologie hat
die Theorie- und die Methodenkompetenz, diese Fragestellungen anzugehen.
Vor diesem Hintergrund kann die zunehmende Bedeutung dieses Arbeitsfeldes
für Sozialwissenschaftler nur betont werden.
Ein wichtiger Bereich innerhalb dieses Problemfeldes ist der Umzug älterer
Menschen in ein Alten- und Pflegeheim. Trotz der zunehmenden Bedeutung
dieses Themas ist - anders als in den USA –für die BRD bis
dato ein gravierendes Forschungsvakuum zu bemängeln. So fehlt ein
umfassendes theoretisches Modell zum Prozeß des Heimeintrittes
- bis auf einige ökonomische Modelladaptionen (z. B. der moral-hazard-Ansatz)
- bislang völlig (Schulz-Nieswand 1990). Auch empirische Forschungsarbeiten
zu den Gründen oder Determinanten des Heimeintritts finden sich
in der BRD bislang vor allem wegen des Mangels an repräsentativem
Datenmaterial nur vereinzelt. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über
die vorliegende empirische Forschung zum Thema des Heimeintrittes älterer
Menschen. Unter soziologischer Perspektive läßt sich diese
Aussagegesamtheit in zwei Subgruppen unterteilen: einmal in Personen,
die in Privathaushalten leben, und zum anderen in die sog. Heimbevölkerung,
in die Personen also, die in Institutionen (bspw. in Altenheimen, Altenpflegeheimen
und mehrgliedrigen Einrichtungen) untergebracht sind.
Nun ist die Zugehörigkeit zu einer der beiden Gruppen kein unveränderliches
Merkmal wie etwa das Geschlecht. Vielmehr kann die Zugehörigkeit
zu einer der beiden Gruppen "Heimbewohner / Nichtheimbewohner" als
ein reversibler Prozeß betrachtet werden. Dieser Prozeß kann
von der betreffenden Person im Lebensverlauf mehrfach abwechselnd in
die eine und andere Richtung durchlaufen werden: Personen siedeln von
Privatwohnungen in Heime um oder ziehen vom Heim aus in Privathaushalte
(zurück). Dieser Beitrag befaßt sich mit der erstgenannten
Prozeßrichtung:
Welche Ursachen und Lebensumstände bewegen einen alten Menschen
zu dem Entschluß, in ein Heim zu ziehen und welche subjektiven
Beweggründe geben alte Menschen dabei an? Lassen sich Prädiktoren
ausmachen, anhand derer sich die Bevölkerungsgruppen in Privathaushalten
und in Heimen unterscheiden lassen?
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